Aloisiuskolleg
Gymnasium der Jesuiten mit Internat für Mädchen und Jungen
AKO Klasse 1953

Geschichte

Wer um seine Vergangenheit weiß, kann seine Zukunft gestalten.

Das AKO hat seit 1900 eine Vorgeschichte in den Niederlanden. Erst 1921 fand es als Aloisiuskolleg seinen gegenwärtigen Standort in Godesberg, das heute zu Bonn gehört. Das Dritte Reich brachte eine Unterbrechung. Seitdem hat es sich weiter entwickelt und musste sich auch dunklen Seiten seiner Vergangenheit stellen. Der Blick in diese Geschichte macht deutlich, dass wir heute gut aufgestellt sind für die Zukunft.

Gründung im Exil als Folge des Kulturkampfes

1872 übernahm als Folge des Kulturkampfes der Staat Preußen die Aufsicht über alle Jesuitenschulen; alle Niederlassungen des Ordens im Kaiserreich wurden verboten („Jesuitengesetz“ vom 4. Juli 1872). Am 12. August 1900 übernahm die deutsche Provinz der Gesellschaft Jesu das Aloisiuskolleg in Sittard (Holland) als reine Jungenschule mit Internat. Der Schulunterricht wurde am 29. September 1900 von deutschen Patres mit 43 internen und 38 externen Schülern eröffnet. Dies war der eigentliche Start des Aloisiuskollegs.

Umzug nach Bad Godesberg und Nationalsozialismus

Das „Jesuitengesetz“ wurde erst 1917 außer Kraft gesetzt, und es stand den Jesuiten erst dann frei, wieder Schulen in Deutschland zu gründen und zu führen. Das Aloisiuskolleg zog nach Godesberg (heute Stadtteil der Stadt Bonn). Am 15. Mai 1921 schrieb Pater Arnold Rump SJ, der damalige Rektor, nach Köln: „Der preußischen Regierung teile ich ergebenst mit, dass das Collegium Hubertinum mit Ostern 1921 seinen Namen in Aloisiuskolleg geändert hat.“ Dies war dann der Start des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg. Als Internatsgebäude diente die 1927 erworbene ehemalige Villa „Stella Rheni“ des Bankiers August Freiherr von der Heydt.

Nach der Machtergreifung der Nazis wurde dem Kolleg ein geordneter Betrieb zunehmend schwer gemacht: Immer stärkere Restriktionen für die Abiturienten, die das Abitur nicht nur an einer anderen Schule (das Kolleg war nur genehmigt, nicht staatlich anerkannt), sondern in ihrem jeweiligen Heimatgebiet ablegen mussten, gefährdeten schon Mitte der 1930er Jahre die Existenz des Kollegs. Da die jesuitische Erziehungstradition mit dem vom nationalsozialistischen Staat propagierten Modell nicht in Einklang zu bringen war, wurde die Schule 1938 von den Nationalsozialisten aufgelöst.

Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten die Jesuiten 1946 das Aloisiuskolleg erneut. Unter den Bedingungen der Nachkriegszeit, aber auch bis in die 60er Jahre war das Kolleg sehr von der alten Zeit und ihren pädagogischen Vorstellungen geprägt. Doch unter den alten Formen gab es so manchen Aufbruch in der Schule ebenso wie im Internat und in der außerschulischen Jugendarbeit. Mehr und mehr übernahmen Frauen und Männer, die nicht dem Jesuitenorden angehörten, pädagogische Verantwortung in Internat und Schule. Schon 1966 wurde ein eigenes außerschulisches Freizeitprogramm neben der verbandlichen Jugendarbeit im ND, der späteren KSJ, etabliert.

Koedukation

In den 1980er Jahren begann das AKO eine Kooperation mit dem benachbarten Clara-Fey-Gymnasium für Mädchen und damit zunächst die Koedukation in der der Oberstufe. Seit dem Jahrgang 2002 hat das Aloisiuskolleg auch in den unteren Jahrgängen, beginnend mit der Sexta, Mädchen in die Schule aufgenommen. Seit 2006 werden auch Mädchen ins Internat aufgenommen und in einem separaten Neubau untergebracht.

Aufklärung und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Spätestens seit 2004 und in besonderer Weise erneut seit Januar 2010 sind Vorwürfe sexuellen Missbrauchs, sexueller Übergriffe, der Anwendung von Gewalt  und Grenzüberschreitungen gegen Kinder und Jugendliche am Aloisiuskolleg öffentlich bekannt geworden.

Bereits in den 60er Jahren wurden der Ordensleitung und der Kollegsleitung Missbrauchstaten angezeigt und waren also bekannt. Die Vorwürfe erstrecken sich auf die Zeit der 50er Jahre bis in die 2000er Jahre und richten sich gegen mehrere Mitglieder des Jesuitenordens und einige Mitarbeiter des Aloisiuskollegs. 18 Jesuiten und 5 Mitarbeiter, die nicht dem Orden angehörten, wurden durch ca. 60 in unterschiedlicher Weise Betroffene belastet (Zinsmeister-Bericht). Darunter ist mindestens einer, dem schwere sexualisierte Gewalt vorgewoirfen wird. Die meisten Beschuldigten (14 Jesuiten und 3 Nicht-Jesuiten) waren in den 50er und 60er Jahren am Kolleg tätig. Mehr als die Hälfte der Berichte betreffen einen Pater, der von 1968 bis 2008 in verantwortlicher und prägender Funktion (u. a. als Schul- und Internatsleiter) am Kolleg wirkte. Aus der Leitung des Hauses oder des Ordens hatte ihm keiner der im Kolleg oder Internat Verantwortlichen Einhalt geboten, obwohl deutliche Hinweise gegeben waren. Zahlreiche Berichte betreffen den ehemaligen Leiter des AKO-Pro-Seminar e. V. und reichen bis in die 2000er Jahre hinein.  Siehe dazu die „AKO-Erklärung“ von 2016 und die Berichte die 2011 und 2013 veröffentlicht wurden.

Seit 2011 haben wir unter der Leitung von P. Rektor Johannes Siebner SJ intensive Reformen für einen bestmöglichen Kinderschutz durchgeführt. Hierin immer weiter zu gehen ist eine bleibende Aufgabe.